Keltenmuseum Hallein
Pflegerplatz 5
5400 Hallein

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Dürrnbergforschung

Dr. Holger Wendling M.A.
T +43 6245 80 783-16
holger.wendling@salzburgmuseum.at


Archäologie online

Aus dem Keltenmuseum Hallein

Archäologie online präsentiert faszinierende Objekte und die spannenden Geschichen dahinter. Bleiben Sie neugierig!

  

Nr. 3 | Bernsteinperle aus Grab 361/Dürrnberg, Eislfeld

Bernstein, ein fossiles Harz, wird in der antiken Mythologie als „Tränen der Götter“ oder „Sonnenstein“ bezeichnet und wurde wegen seiner Farbe, elektrischen Leitfähigkeit und Brennbarkeit magisch verehrt und hoch geschätzt. Obwohl Bernstein weltweit verbreitet ist, wurde in der europäischen Urgeschichte vornehmlich baltischer Bernstein genutzt, der an den Küsten der Ostsee gesammelt wurde. Der älteste baltische Bernstein der Alpenregion wurde in der Bronzezeit im Austausch gegen alpines Kupfer gen Süden transportiert. Die verschiedenen Handelswege entlang der sogenannten Bernsteinstraße, einem breiten Kommunikationskorridor entlang der Flüsse Weichsel, Warte, Oder und Donau, strahlten wohl auch nach Westen in den Salzburger Raum aus. (1)
Seine optische Wirkung bestach schon die eisenzeitliche Bevölkerung des Dürrnberges, in dessen Gräbern zahllose Bernsteinobjekte gefunden wurden. Seine exotische Herkunft machte den Bernstein zu einem begehrten Schmuckobjekt, mit dem wirtschaftlicher Erfolg, Reichtum und Macht zur Schau gestellt werden konnte. Gleichzeitig diente er seiner bemerkenswerten, geradezu mystischen Eigenschaften wegen als kultischer Gegenstand oder Amulett, dem unheilabwehrende oder glückbringende Funktionen innewohnten.
Die größte Bernsteinperle aus Grab 361 (Dürrnberg, Eislfeld) wiegt 172 Gramm. Sie veranschaulicht den Prunk, der mit dem exotischem Material betrieben wurde. (2)

(1) Wendling, Holger, Zeitsprünge | Ursprünge - Reise in die Urgeschichte Salzburg. Ein Handbuch der urgeschichtlichen Archäologie einer Alpenregion, Salzburg 2018, 113.
(2) Wendling, Holger, Der Reiz des Fremden…, in: Salzburg Museum (Hrsg.), Archäologie in Salzburg, Bd. 7, Begleitband zu den Ausstellungen „Archäologie?! Spurensuche in der Gegenwart“ (Salzburg Museum Neue Residenz) und „Wirklich wichtig - Archäologische Highlights erzählen ihre Geschichte“ (Keltenmuseum Hallein), Salzburg 2014, 154.

Nr. 2 | Goldschiffchen vom Dürrnberg

Salzachkahn & Hadesfähre
In Grab 44/1 des Dürrnberges, in das um 400 v. Chr. der Leichnam eines latènezeitlichen Kriegers gebettet worden war, fand sich ein einzigartiges Objekt: Ein kaum 6,5 cm langes, aus purem Gold gefertigtes Modellschiffchen gibt mit zwei seitlich angebrachten Rudern oder Paddeln ein keltisches Wasserfahrzeug wieder. Seine Form stimmt mit den flachbodigen „Plätten“ überein, auf denen noch bis in das 19. Jahrhundert das Dürrnberger Salz, Baumaterial und Metallrohstoffe auf der Salzach verschifft wurden. Diese Übereinstimmung könnte die Interpretation des Bestatteten als keltischer „Logistikunternehmer“ stützen, dem ein Modell seiner Transportflotte beigegeben wurde. Andererseits mag das Motiv der Überfahrt über den Unterweltsfluss Styx in das Totenreich des Hades aus der griechischen Mythologie in die Jenseitsvorstellungen der nordalpinen Kelten übertragen worden sein oder gar in ähnlicher Form schon seit älteren Zeiten als Teil der einheimischen Kosmologie existiert haben. Als Symbol der Jenseitsfähre nahm man natürlich auch hier die Form der gängigen Transportfahrzeuge, die den Salzfluss befuhren, auf.

aus: Wendling, Holger, Zeitsprünge | Ursprünge - Reise in die Urgeschichte Salzburg. Ein Handbuch der urgeschichtlichen Archäologie einer Alpenregion, Salzburg 2018, 119.

Nr. 1 | Der Helm vom Pass Lueg

Der Helm wurde 1838 am Pass Lueg, einer Engstelle des Salzachtales rund 35 km südlich der Stadt Salzburg entdeckt und ging als einer der frühesten archäologischen Funde in die Sammlung des bald danach gegründeten Städtischen Museums Salzburg ein. In den Anfangstagen der Archäologie galt er zunächst als typisches Relikt der keltischen Vergangenheit und fand so als Motiv Eingang in Historiengemälde und Denkmäler des romantischen Nationalismus im 19. Jahrhundert. Hier galt der Helmtypus irrtümlich als charakteristischer Kopfputz keltischer Krieger – die tatsächlich erst viel später lebten. Im aufkommenden europäischen Nationalbewusstsein wurden die Helden der urgeschichtlichen Vergangenheit wie der gallische Freiheitskämpfer Vercingetorix mit Prunkwaffen abgebildet, von denen man fälschlicherweise annahm, sie stammten aus jener Epoche. Erst mit dem Beginn einer systematischen Urgeschichtsforschung zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte man seine zeitliche und kulturelle Herkunft näher bestimmen. Funde entsprechender Kammhelme in Moosbruckschrofen (Tirol) und im Anlauftal bei Rauris bestätigen die mittel- bis spätbronzezeitliche Zeitstellung des buckel- und punzverzierten Salzburger Kopfschutzes. Mit dem Helm waren mehrere Bronzeobjekte – Fragmente zweier Bronzepickel, eines Lappenbeils, zweier Gusskuchen sowie drei Bruchstücke eines vierkantigen Bronzestabs, eventuell eines Barrens – vergesellschaftet. Die in der Herstellung aufwändigen Helme waren, zusammen mit Bronzepanzern, Beinschienen und Schilden rare und sorgsam gehütete Prestigestücke hochrangiger Persönlichkeiten. So wurde der Helm vom Pass Lueg vor seiner Deponierung mit einer nicht zugehörigen rechten Wangenklappe repariert und ergänzt.

Die über ganz Europa verstreuten Elemente der bronzezeitlichen Waffenausstattung passen sich zu einem eindrucksvollen Ensemble kriegerischer Wehr zusammen. Ob derartige Panzerungen allerdings tatsächlich im Kampf getragen wurden oder der martialischen Repräsentation von Macht und Einfluss dienten, ist unklar.

aus: Wendling, Holger, Zeitsprünge | Ursprünge - Reise in die Urgeschichte Salzburg. Ein Handbuch der urgeschichtlichen Archäologie einer Alpenregion, Salzburg 2018, 74.

 

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