Keltenmuseum Hallein
Pflegerplatz 5
5400 Hallein

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Öffnungszeiten

Montag bis Sonntag 9–17 Uhr


Unverbindliche Anmeldung:

Sekretariat

Svenja Wünsche
T +43 6245 80 783-11
s.wuensche@keltenmuseum.at


Die Kelten

Ursprung – Geschichte – Mythos

Festkolloquium: 16.–18. Oktober 2020

Als erster Höhepunkt des Jubiläums „50 Jahre Keltenmuseum Hallein“ präsentieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die aktuellsten Forschungsergebnisse zur Geschichte und Archäologie der Kelten.
Wir laden zur kostenlosen Teilnahme am öffentlichen Festkolloquium ein.

Unverbindliche Anmeldung & Information:
Svenja Wünsche, keltenmuseum@keltenmuseum.at oder +43 6245 80783

Geben Sie bei der Anmeldung bekannt, ob Sie an der Exkursion teilnehmen wollen. 

Freitag, 16. Oktober 2020
      

9.30–10.15 Uhr | Die Kelten bei den Griechen und Römern

PD Mag. Dr. Andreas Hofeneder (Wien, AT)
Die Kelten galten ihren südlichen Nachbarn in Griechenland und Rom als Inbegriff barbarischer Wildheit. Von furchteinflößendem Äußeren und grausamer Kampflust einerseits, genossen sie aufgrund ihres Mutes und ihrer Tapferkeit gleichzeitig hohes Ansehen. Auch über ihre Religion kursierten wahre Schauergeschichten, die unser Keltenbild oft bis heute bestimmen: Die antiken Autoren berichten über Menschenopfer, Druiden und Schädelkult.

10.15–11.00 Uhr | Sturm über Europa – Die keltischen Wanderungen

Dr. Martin Schönfelder (Mainz, DE)
386 v. Chr. plündern die Kelten unter ihrem Anführer Brennus Rom. Dieses Ereignis ist je nach Perspektive einer der Höhe- oder Tiefpunkte der „keltischen Wanderungen“, bei denen eisenzeitliche Bevölkerungen aus Mitteleuropa sich über große Teile Europas ausbreiteten. Infolge dieser Züge wurden keltische Stämme in Norditalien und auf dem Balkan sesshaft und gelangen als „Galater“ bis nach Kleinasien.

11.30–12.15 Uhr | Leben auf dem Land – Herrenhöfe und Viereckschanzen

Dr. Walter Irlinger (München, DE)
In der Eisenzeit galten Ackerland und Vieh als Garanten von Reichtum und Macht. In der Hallstattzeit lebten die Landbesitzer im heutigen Süd-ostdeutschland in sogenannten „Herrenhöfen“, die teilweise von mehrfachen Graben- und Palisadenwerken umgeben waren. In der spätkeltischen Zeit residierten Großgrundbesitzer im heutigen Süddeutschland in Viereckschanzen, mit Wall und Graben befestigten Gehöften im Zent-rum ihrer Ländereien. Im Zentrum der Befestigungen dienten riesige Holzhäuser als repräsentative „Hallen der Hofherren“.

12.15–13.00 Uhr | Oppida – Keltische Städte

Prof. Dr. Stephan Fichtl (Straßburg, FR)
Seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. entstanden im keltischen Mitteleuropa große Zentralsiedlungen, deren Wirtschaftsschwerpunkt nicht in der Landwirtschaft, sondern in Handwerk und Handel lag. Als unbefestigte Großsiedlungen oder mit massiven Mauern umschlossene Befestigungen konzentrierten sie die Bevölkerung in vorher nie dagewesener Weise. Die komplexen Bau- und Siedlungsstrukturen der ältesten Städte nördlich der Alpen übernehmen Architekturformen aus dem mediterranen Raum, der in engen Fernhandelsbeziehungen Wein, Bronzegeschirr und Luxusgüter in die keltischen Zentren nördlich der Alpen exportierte.

14.30–15.15 Uhr | Essen, Trinken, Schlafen – Arbeit, Krankheit, Tod: Leben und Alltag der Kelten

Prof. Mag. Dr. Peter Trebsche (Innsbruck, AT)
Neben spektakulären Waffen- und Depotfunden spiegeln die alltäglichen Dinge, die bei Ausgrabungen in keltischen Siedlungen und Gräbern gefunden werden, das „normale Leben“ der Menschen vor über 2000 Jahren. Keramikgefäße, Speisereste, Werkzeug, Häuser, aber auch die Knochen der Verstorbenen selbst erzählen Geschichten über Leben und Alltag der Kelten jenseits brutaler Kriegszüge und geheimnisvoller Riten.

15.15–16.00 Uhr | Knochenlese – Anthropologie der Kelten

Dr. Karin Wiltschke-Schrotta (Wien, AT)
Neben der materiellen Kultur ermöglichen die konkreten körperlichen Relikte eisenzeitlicher Populationen einen unmittelbaren Einblick in die Lebensrealität der keltischen Epoche. Menschliche Skelettreste aus Bestattungen, Siedlungszusammenhang und Opferkontext erlauben Aussagen zu Sterbealter, Geschlecht, Krankheiten und Lebensumständen der urgeschichtlichen Bevölkerung. Neben der anthropologischen Skelettanalyse haben DNS- und Isotopenuntersuchungen das Erkenntnispotential menschlicher Knochen-reste zu Ernährung, Herkunft und ethnischer Zugehörigkeit erheblich gesteigert.

18.00–19.00 Uhr | Abendvortrag: Keltische Kunst – Abbild einer dynamischen Welt

Prof. em. Dr. Felix Müller (Bern, CH)
Im 5. Jahrhundert v. Chr. bildet sich in Mitteleuropa ein eigentümlicher, frühkeltischer Kunststil heraus, der Anregungen aus Griechenland, Italien und dem skythischen Osten aufnimmt und in einer eigenen Formensprache umsetzt. Erstmals werden in großem Umfang figürliche Elemente auf Gebrauchsgegenständen und Schmuck gezeigt, deren inhaltliche Deutung heute kaum möglich erscheint. Dämonen, Fabeltiere, Fratzen und Geisterwesen sind der religiösen Vorstellungswelt der Kelten entsprungen und sollten magischen Schutz vor Unheil, Krankheit oder Tod bieten. Ob die Veränderung der Kunststile im Laufe der vor-christlich-keltischen Zeit auf den Wandel der Glaubensvorstellungen zurückgeht oder Änderungen des Kunstgeschmacks folgt, wird in der Forschung diskutiert.

Samstag, 17. Oktober 2020
      

9.30–10.15 Uhr | Eisen, Kupfer, Gold und Salz – Bergbau und Ressourcen

Prof. Dr. Thomas Stöllner (Bochum, DE)
Das Eisen gab einer ganzen Epoche ihren Namen und diente im keltischen Europa ab ca. 750 v. Chr. als Rohstoff für Waffen, Werkzeug und Gerät. Kupfer wurde vor allem in den seit der Bronzezeit tätigen Bergbaugebieten der Inneralpen abgebaut. Mit Zinn wurde es zu Bronze legiert, die als Material für Schmuck und Kunstwerke diente, bei denen es den Sonnenglanz des kostbaren Goldes imitierte. Als Nahrungszusatz für Mensch und Tier, Konservierungsmittel und Werkstoff brachte der Salzabbau in Hallstatt, Dürrnberg und Bad Nauheim den Menschen Reichtum und Macht.

10.15–11.00 Uhr | Das erste Geld – Keltische Numismatik

PD Dr. Ursula Schachinger (Graz, AT)
Seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. nutzen die Kelten als erste transalpine Kultur Europas Geld als Zahlungsmittel. Die Vorbilder für das gemünzte Tauschmedium kamen ursprünglich aus dem makedonischen Griechenland, wo Kelten als Söldner der mediterranen Staaten kämpften oder auf Kriegs- und Raubzügen Beute machten. Bald entwickelte sich eine eigene Kunst- und Bildsprache auf den kleinen gestempelten oder gegossenen Gold-, Silber- und Kupfernominalen. Sie gibt Einblick in die religiöse Symbolik, aber auch in Wirtschafts- und Machtpolitik der spätkeltischen Zeit.

11.30–12.15 Uhr | Die Religion der Kelten

Prof. Dr. Rupert Gebhard (München, DE)
Antike Autoren berichten über geheimnisvolle, mitunter blutrünstige Rituale und mysteriöse Glaubensvorstellungen der Kelten. Die Archäologie hat in den letzten Jahrzehnten durch Ausgrabungen von Tempeln, Heiligtümern und Opfer-plätzen dazu beigetragen, dieses verzerrte Bild keltischer Religion zu korrigieren. Aus dem Zusammenspiel literarischer und archäologischer Quellen ergibt sich ein facettenreiches Bild keltischen Glaubens zwischen Druiden, Schädelkult und Tieropfern.

12.15–13.00 Uhr | Irland, Schottland, Wales – die „Inselkelten“

Katharina Becker, PhD M.A. (Cork, EIR)
Am nordwestlichen Rand Europas, in Cornwall, Irland, Wales, Schottland und der Bretagne finden sich Reste moderner „keltischer“ Kulturen, die einst und zum Teil bis heute Dialekte moderner keltischer Idiome sprachen. Trotz Verwandtschaft mit den antiken gallischen und festlandkeltischen Sprachen ist die kulturelle Verknüpfung mit den eisenzeitlichen Bevölkerungen Kontinentaleuropas in der Forschung umstritten. Trotz einer intensiven Rezeption „keltischer“ Kunststile und vielfältiger Verbindungen zum Kontinent wird eine lokale, „nicht-keltische“ Identität der „Insel-kelten“ diskutiert. Im Frühmittelalter strömten durch irische und schottische Missionare keltische Kunstelemente Jahrhunderte nach der vor-römischen Kultur Mitteleuropas wieder auf den Kontinent zurück.

14.30–15.15 Uhr | Die Kelten – zwischen Esoterik und Archäologie

Mag.a Dr.in Jutta Leskovar PhD (Linz, AT)
Die keltische Kultur gilt in esoterischen Kreisen als Verkörperung jahrtausendalter heilbringen-der, naturverbundener Lebenskonzepte. Vor allem im Neuheidentum spielen diese Keltenbilder eine wesentliche Rolle. Der eisenzeitlichen Bevölkerung unterstellte Weltbilder und Glaubensvorstellungen stehen jedoch im Widerspruch zur lückenhaften Quellenlage und dem durch die Wissenschaft ermittelten Wissen um die europäische Urgeschichte. Somit besteht eine deutliche Diskrepanz zwischen der neuheidnisch-esoterischen und der archäologisch-wissenschaftlichen Nutzung des Keltenbegriffs.

15.15–16.00 Uhr | Die frühkeltischen „Fürstensitze“ und „Fürstengräber“

Prof. Dr. Dirk Krausse (Esslingen, DE)
In der frühen Eisenzeit, im 7.–5. Jahrhundert v. Chr. blühte im Zentrum Europas die Hallstattkultur, die als kulturelle Frühform der keltischen Bevölkerungen späterer Zeit gilt. Vom heutigen Burgund bis Baden-Württemberg herrschte in großen Zentralsiedlungen, den sogenannten „Fürstensitzen“, eine mächtige Elite. Ihre Mitglieder pflegten Kontakte bis nach Griechenland und Etrurien. Und wurden in Prunkgräbern unter Großgrabhügeln bestattet. Diese „Fürstengräber“ sind oft mit kostbaren Beigaben aus Gold und Bernstein sowie exotischen Importen ausgestattet und spiegeln Macht und Reichtum der frühkeltischen Herrscher.

16.30–17.15 Uhr | Der Dürrnberg – ein Zentrum der keltischen Welt

Dr. Holger Wendling M.A. (Salzburg/Hallein, AT)
Durch die enge räumliche Verknüpfung von Siedlungsarealen, Bestattungsplätzen und Wirtschafts-zonen – dem Salzbergbau – spielt der Dürrnberg in der Archäologie der Kelten eine besondere Rolle. In seinem einzigartigen Fundspektrum und den spektakulären Befunden über und unter Tage spiegeln sich alle Aspekte keltischen Lebens von der Hallstatt- bis in die Latènezeit. Seine Erforschung setzt bis heute Akzente in der europäischen Eisenzeitarchäologie.

Sonntag, 18. Oktober 2020
     

Spezialführungen

Führungen durch das Keltenmuseum Hallein und das Keltendorf Salina auf dem Dürrnberg
Unter Vorbehalt: Exkursion zu den archäologichen Stätten der Region

Keltenmuseum Hallein