EG RAUM 02
KRIEGSPROPAGANDA UND SELBSTDARSTELLUNG
Der Besucher kann seinen Rundgang in der Folge nur fortsetzten, indem er sich nach links, dem nächsten Raum zuwendet. Raumbeherrschend und achsial auf das Streitwagengespann ausgerichtet, steht am Ende der Halle eine Kopie der wohl bekanntesten antiken Großplastik – jene eines Galliers der sich (nach verlorener Schlacht) mit dem Schwert den Todesstoss gibt, nachdem er zuvor sein Weib getötet hat (Nr. 1). Steht die Installation der Biga am Anfang der Auseinandersetzung der Kelten mit der mediterranen Welt, so verrät die Bitterkeit der Niederlage mit dem gewählten Freitod (um der Schmach der Sklaverei zu entgehen), letztlich das Scheitern der keltischen Invasionspolitik an der Westküste Kleinasiens. Der Auftraggeber dieser (ursprünglich wohl in Bronze gefertigten) Großplastik und jener des „STERBENDEN GALLIERS“ (Nr. 3) König Attalos von Pergamon hat seinen Sieg über die Gallier im Jahre 230 v. Chr. in angemessener Form mit dem so genannten ATTALISCHEN WEIHEGESCHENK gekrönt. Der Künstler hat indes neben dem vordergründigen Zweck, die physische Vernichtung eines Feindbildes darzustellen, auch die Betroffenheit bzw. das Unverständnis der mediterranen Welt angesichts dieses kollektiven Suicids eingefangen.
Neben diesen beiden imposanten Zeugnissen antiker Bildhauerkunst nehmen sich die wenigen erhaltenen keltischen Steinstatuen vergleichsweise ziemlich bescheiden aus.
Die wohl bekannteste Selbstdarstellung eines KELTISCHEN „FÜRSTEN“ (Nr. 5) stammt VOM GLAUBERG in Hessen (D). Die etwa lebensgroße Sandsteinstatue ist mit Ausnahme ihrer Beine schwach gegliedert, vermittelt aber durch eine beträchtliche Anzahl von Ausstattungsdetails in Flachrelieftechnik überzeugend, dass es sich um einen Vertreter einer regionalen Führungselite handeln müsse. Dazu zählen beispielsweise eine sogenannte Blattkrone, der aufwändige Halsschmuck (dessen goldene Vorlage wiederum in seiner Grabkammer entdeckt wurde) und nicht zuletzt ein organischer Panzer mit Schulterklappen. Die nahezu sterotypen maskenartigen Gesichtszüge, die eine große Ähnlichkeit mit denen eines STEINKOPFES MIT TORQUES (goldener Halsring) VON STEINZEHROWITZ in Böhmen (Nr. 4) aufweisen, stehen ganz im Gegensatz zu den individuellen Charakterstudien antiker Darstellungen wie z. B. jenen des „Attalischen Weihegeschenkes“ oder eines KOPFES AUS GIZEH in Kairo (Nr. 2). Mit einem Grabstein aus Bologna (Nr. 6), auf dem u. a. der Zweikampf eines berittenen Etruskers gegen einen auffällig größeren nackten Gallier dargestellt ist und zwei provinzialrömischen Grabsteinen, auf denen vorwiegend lokale keltische Trachteigenheiten abgebildet sind (Nr. 8 und 9), wird dieser Themenbereich zusätzlich kommentiert.