EG RAUM 01
DIE KELTEN KOMMEN
Eine Biga, die REKONSTRUKTION EINES KELTISCHEN STREITWAGENGESPANNES, stürmt geradewegs auf den Besucher zu und zwingt ihn zu einem seitlichen Ausweichmanöver. Während der vornehme Wagenlenker, erkennbar am golden aufleuchtenden mit Koralle eingelegten Bronzehelm und geschützt durch einen Lederpanzer, die Rosse nur mühsam bändigt, schleudert ein zweiter Krieger entschlossen seine Lanze auf einen virtuellen Feind. Sowohl das martialische Aussehen seiner mit Kalklauge zu Stacheln aufstehenden Haare, als auch der geschickte Balanceakt auf Deichsel und Joch des Gespannes werden erschöpfend bei den antiken Autoren erwähnt. Dort wird auch jener für die mediterrane Vorstellungskraft unverständliche Kriegsbrauch ausführlich beschrieben, nämlich das Sammeln abgeschlagener Köpfe gefallener Feinde.
Die Größe der Pferde, ihre Schirrung, alle Details des Kampfwagens sowie Bekleidungszuschnitt und Waffen sind nach bildlichen Vorlagen (z. B. nach einschlägigen Bilderfriesen auf konischen Bronzeeimern, den Situlen, oder von Grabsteinen) und archäologischen Bodenfunden entstanden. Als Entwurf für die Bekleidung dienten u.a. bunte Gewebefragmente aus dem Salzbergwerk und Darstellungen auf Figuren- und Schuhfibeln vom Dürrnberg.
Neben der Installation des Streitwagengespannes erläutern Schautafeln die GESCHICHTE DER KELTEN, ihre Herkunft und Verbreitung und schwerpunktmäßig ihre Auseinandersetzung mit den antiken Völkern Süd- und Südosteuropas. Ihre schrittweise Unterwerfung und territoriale Eingliederung als römische Provinz Gallien durch G. J. Cäsar im Jahre 52 v. Chr. zählen zu den wichtigen Eckdaten ihres Unterganges, ebenso die Unterwerfung der Alpenregion durch die Feldzüge von Tiberius und Drusus um 15 v. Chr. Auf dem Siegesdenkmal von La Tourbie bei Monaco, das Kaiser Augustus im Jahre 6 oder 7 nach Chr. errichten ließ, war mit der peniblen Auflistung von 45 besiegten keltischen Stämmen in den späteren Provinzen Rätien und Noricum zuletzt auch jene kulturelle Eigenständigkeit erloschen, die unter der Bezeichnung „La-Téne-Stil“, Mitteleuropa in den letzen 500 Jahren vor der Zeitenwende ganz entscheidend geprägt hatte. Mit einer Auswahl von mitunter voreingenommenen ZITATEN ANTIKER HISTORIKER werden einige Charakterstudien der Kelten trefflich beleuchtet. Die Geschichte der ARCHÄOLOGISCHEN ERFORSCHUNG DES DÜRRNBERGS ist verhältnismäßig jung. Erstaunlicherweise wurde die Entdeckung der berühmten Bronzeschnabelkanne aus Grab 112 im Jahre 1932 kaum gebührend beachtet. Die gezielte Ausgrabung der prähistorischen Wirtschaftsmetropole begann eher zögerlich rund 20 Jahre später und so blieb dem Dürrnberg das Schicksal Hallstatts, nämlich einer aus heutiger Sicht noch technisch unausgereiften Ausgrabung, erspart. Die wissenschaftliche Betreuung wird mittlerweile seit 1985 professionell vom Österreichischen Forschungszentrum Dürrnberg durchgeführt.