2. OG RAUM 20

SALZ AUS SOLE

Die bairischen Herzöge aus dem Geschlecht der Agilolfinger haben als neue Machthaber früh die wirtschaftliche Bedeutung in benachbarten REICHENHALL erkannt. Der technische Aufwand zur Salzgewinnung war im Vergleich zum Bergbau unter Tage mäßig und beschränke sich im Wesentlichen auf die Fassung der NATÜRLICHEN SOLEQUELLEN in Brunnen und die Errichtung von Schöpfgalgen zum Ausschöpfen der Sole; diese wurde anschließend in großen holzbefeuerten Sudpfannen zu Salz versotten. Um 700 n. Chr. setzen die ersten schriftlichen Quellen ein, die von der Schenkunggroßer Salinenanteile an den Hl. Rupert, den Begründer der Salzburger Kirche berichten. Reichenhall errang bald eine einzigartige Monopolstellung, die es bis gegen Ende des 12. Jahrhunderts behaupten konnte. Um 1185 wurde schließlich die Salzproduktion auf dem Dürrnberg erneut aufgenommen, wobei an die Stelle des prähistorischen Abbaues von Kernsalz bald das Laugverfahren trat. Diese technische Erneuerung war vergleichsweise zur unterschiedlichen Schüttung und Grädigkeit der Quellsole um vieles vorteilhafter, so dass sich die Salzburger Erzbischöfe bald aus der Abhängigkeit von Reichenhall lösen konnten. Sie haben dem Dürrnberg und der Salinenstadt Hallein, die an seinem Fuß entstand, durch eine gezielte Wirtschaftspolitik rasch eine dominierende Vormachtstellung im Ostalpenraum gesichert. Sie bedienten sich dazu einer gezielten Preispolitik und ihrer Herrschaft über die Salzach als den wichtigsten Transportweg. 1198 scheint der Ort im Talboden in einer Urkunde unter dem Namen Muelpach auf (V. 57/Nr. 2). Bald kommen in lateinisch geschriebenen Urkunden die Ortsbezeichnungen SALINA und HALLINUM vor, in deutschen Urkunden HAELLEL und schließlich HALLEIN. Der Ort „das kleine Hall“ (im Gegensatz zu Reichenhall) blüht rasch auf und wird um 1230 bereits zu den Städten des Erzbistums gezählt.

SALZ AUS SOLE – DAS LAUGVERFAHREN

Der älteste Grubeneinbau zur Solegewinnung untertags war der „Schöpfbau“, eine Art Brunnenanlage mit Hebewerk (Schöpfgalgen). Er hatte keinen Ablass, sondern nur eine Pütte, einen ausgezimmerten Schacht, aus welchem die Sole mit Kübeln geschöpft wurde. Ablasswerke, bei denen die Sole über ein Abflussrohr abgeleitet werden konnte, waren erst eine technische Weiterentwicklung zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Beim LAUGWERKSVERFAHREN wird von den Häuern ein größerer Hohlraum als Laugkammer angelelegt und in diesen Wasser eingeleitet um das salzhaltige Gestein vor allem an der Decke und an den Seitenwänden der Kammer auszulaugen . Nach ca. 3 Wochen wird die etwa 25 % gesättigte Sole über Holzrohre zu den Sudhäusern in die Salinensiedlung im Tal abgelassen. Für das 12. Jahrhundert war dies eine revolutionäre Überlegung, nämlich Rohstoff und Energie (Holzdrift auf der Salzach) an einem optimalen Standort zu vereinen. An der Schnittstelle Soleleitung/Fluss ist in den letzten Jahren des 12. Jahrhunderts schließlich Hallein entstanden. Um ein unkontrolliertes Ineinandergehen der einzelnen Laugwerke, die inverschiedenen „Horizonten“ (Abbaurevieren) angelegt wurden, zu verhindern, bedurfte es einer möglichst genauen Vermessungstechnik, die als SCHINKUNST (heute Marktscheidewesen) bezeichnet wurde. Mit Setzwaage, Winkelmesser, Messlatte und Klafterkette bestimmte man den Neigungswinkel eines Schurfes (stiegenartige Verbindung zwischen zwei Horizonten) oder die Länge eines Stollens etc. (V. 59). Ein BERGWERKSMODELL (V. 58) vermittelt anschaulich die Ausdehnung des ganzen „Grubengebäudes“, d.i. die Summe aller seit dem Mittelalter aufgeschlagenen Strecken auf 11 Horizonten mit einer Gesamtlänge von 30 bis 35 km und ca. 300 Sinkwerken. Im 13. Jahrhundert, knapp 100 Jahre nach dem Beginn des Salzbergbaues auf dem Dürrnberg, wurden zwischen seinen Betreibern und der damals noch selbstständigen Propstei Berchtesgaden erste Verträge darüber abgeschlossen, dass vom Dürrnberg auch jene Salzlagerstätten angefahren werden dürfen, die sich unter dem Territorium der Propstei befinden (etwa zwei Drittel der Strecken).