2. OG RAUM 23

ERZBISCHOF UND BERGKNAPPE

LEHENSHERR UND SCHICHTRECHTEMPFÄNGER

Auf insgesamt 16 Bergwerksrelieftafeln, die ein unbekannter Bildschnitzer um die Mitte des 18. Jahrhunderts anfertigte, werden die wichtigsten Arbeitsschritte im Salzbergwerk erläutert. Die Motive und Kompositionen entsprechen mit Ausnahme von zwei Bildinhalten weitgehend den Gemälden im folgenden „grünen Fürstenzimmer“ und sind gewiss in Anlehnung an diesen Bilderzyklus entstanden.

Die soziale, ja existenzielle Abhängigkeit der Bergknappen von ihrem „geistlichen Herren“ kommt in einer berührenden Audienzszene beim Fürsterzbischof zum Ausdruck, die real in einem der folgenden „Fürstenzimmer“ stattgefunden haben mag (Bild Nr. 15): Auf einem Thronsessel sitzend, empfängt der Erzbischof in Anwesendheit eines Kämmerers eine Abordnung, deren Anführer in ziviler Tracht eine Bittschrift überreicht. Die Knappen bezeugen währenddessen mit erhobenen Schwurfingern und der Hand auf dem Herzen ihre Treue und Ergebenheit gegenüber dem Landesherren. Als Aufbesserung zur Lohnarbeit (ferramenta) wurde den Knappen ein kleiner Bauernhof in Form eines Lehenschichtenrechtes zur Bewirtschaftung zugewiesen. Nur selten reichte der bescheidene Bergwerkslohn und die kargen Einkünfte aus den kleinen Gütern, so dass sich die Bergknappenfamilien ein Zubrot durch Strickwarenerzeugung und Holzspielzeugherstellung schaffen mussten.

Auf der anderen Seite war der Landesfürst stets bestrebt, dass die Salinen, sein wichtigster Wirtschaftsbetrieb (deren Wertschöpfung zumeist mehr als die Hälfte der gesamten Kameraleinkünfte des Landes, zeitweise sogar dreiviertel davon, betrug), im wahrsten Sinn des Wortes „unter Dampf“ liefen.

Zur Koordination des gesamten Salinenwesens ließ Erzbischof Guidobald Graf Thun im Jahre 1654 ein neues Verwaltungsgebäude „die Pfleg“ errichten (1970 zum Keltenmuseum umgestaltet). In den Repräsentationsräumen des 2. OG hatte er und seine acht ihm nachfolgenden adeligen Landesherren (Wappengalerie) gelegentlich „Hof“ gehalten.

Im Jahre 1757 erteilte einer von ihnen, nämlich Erzbischof Sigmund III Graf von Schrattenbach offenbar unter dem nachhaltigen Eindruck einer Bergbefahrung im Jahr davor (V.63/Nr. 5) dem Maler Benedict Werkstötter den Auftrag … „drey Zimmer sauber mit Oelfarbe solchergestalt auszumahlen, dass in denselben die sammentlichen Arbeithen zu Perg (Bergwerk), Pfannhaus, Schiffahrt, Cleitzler, Stosstatt, Rechen und Zug, und was immer dahin einschlaget, genau und nach der Natur entworfen werden …“. Die von Werkstötter geschaffenen 73 Ölgemälde können als die ältesten und umfangreichsten bildlichen Darstellungen zum österreichischen Salinenwesen bezeichnet werden.