1. OG RAUM 09

SALZBERGBAU

LAGERSTÄTTEN – HERKUNFT DER BETREIBER – LOGISTIK DES BERGBAUBETRIEBES

Der Dürrnberger Salzstock besteht größtenteils aus „HASELGEBIRGE“, einem Mischgestein, das aus Steinsalz, Ton und Anhydrit aufgebaut ist. In diesem Haselgebirge sind die abbauwürdigen Linsenkörper aus reinem Steinsalz eingeschlossen, denen der prähistorische Bergmann „im Streichen“, d. h. den salzführenden Schichten folgend, nachgegangen ist.

Wie wir heute wissen, hatte im 6. Jahrhundert v. Chr. in der SALZMETROPOLE HALLSTATT (die rund 50 km östliche vom Dürrnberg entfernt ist), das Betriebsrisiko im Untertagebau aufgrund von Naturkatastrophen (Murenabgänge, Tagwässereinbrüche) z. T. dramatische Ausmaße angenommen.

Obwohl man auf dem Dürrnberg erhebliche Qualitätseinbußen in Kauf nehmen musste, zumal es dort vergleichsweise keine mächtigen Kernsalzbänke gab, versuchte man offenbar ein ZWEITES PRODUKTIONSZENTRUM zu schaffen, um Absatzeinbußen auszugleichen. Zu jener Zeit verfügte aber nur Hallstatt neben einer soliden Kenntnis der Bergbautechnik auch über eine kapitalkräftige Gruppe von Unternehmern die es sich leisten konnte, in Form einer mehrjährigen Überbrückungshilfe ohne Aussicht auf sofortigen Gewinn zu investieren!

Mit einem Tagschurf, einem 20 bis 40 Grad abwärts geneigten Stollengang, erreichte man nach einer Deckschicht von rund 30 bis 50 m ausgelaugten Salztonen und Glazialschutt das Salzgebirge (diese ertragslose Häuerleistung erforderte bereits einen beträchtlichen Arbeitsaufwand und alleine der Streckenvortrieb wird schätzungsweise einige Jahre gedauert haben).

Dort wo die Steinsalzbänke eine größere Mächtigkeit erreichten (1 bis 4 m) wurden die Stollen zu großen Abbaukammern erweitert. In den Abbaukammern und Revieren arbeiteten wahrscheinlich größere Gruppen arbeitsteilig als Häuer, Förderer und Beleuchter – letztere waren vermutlich häufig Kinder, die Leuchtspäne auswechseln, aber auch neue Geräte und Nahrung zu bringen hatten (Kinderschuhe V. 19, Nr. 2 und 3). Vorwiegend an diesen „Örtern“ hat man bei der neuerlichen Erschließung durch den mittelalterlichen bzw. neuzeitlichen Bergbau den prähistorischen Betriebsabfall („Heidengebirge“) in Form von abgebrannten Leuchtspänen, beschädigten Pickelschäftungen, Leder- und Gewebestücken etc. entdeckt (V. 18). Außerdem ist uns in einer Chronik die Auffindung von zwei „im gantzen Salzgebirge“ eingeschlossenen „BERGMANNSLEICHEN“ in den Jahren 1573 und 1616 überliefert (Diorama V. 20).