1. OG RAUM 18

KURZ WAR DAS LEBEN

Die Lebenserwartung der prähistorischen Bevölkerung des Dürrnbergs war für heutige Vorstellungen erschreckend gering. Etwa die Hälfte der Kinder und Jugendlichen starb vor dem 20. Lebensjahr. Tote Säuglinge und Kleinkinder wurden, wie das für viele ethnische Gruppen belegt ist, an anderen Stellen bestattet, z. B. unter den Fußböden eines Gebäudes (V. 48/Nr. 2), oder in den Ableitungsgräben der Feuchtbodensiedlung im Ramsautal „entsorgt“ (V. 48/Nr. 1), was der Vorstellung von der „Seelenlosigkeit“ der Säuglinge entsprechen würde.

Aber auch wer ein höheres Alter erreichte, konnte nicht mit einem langen Leben rechnen. Das STERBEALTER LAG IM DURCHSCHNITT ZWISCHEN 35 UND 45 Jahren; bei Frauen immer einige Jahre niedriger als bei den Männern – eine Folge der Risiken bei der Geburt (Kindbettfieber). Der Geburtsvorgang wurde seit jeher von mannigfaltigen Riten (Amulettzauber etc.) begleitet, die Unheil abwehren sollten.

Es gab aber auch schon Ansätze einer MEDIZINISCHEN VERSORGUNG. So wurde gelegentlich die KÜNSTLICHE SCHÄDELÖFFNUNG durch Anbohren des Knochen praktiziert. Die mit einer scharfen Klinge und einem Schaber durchgeführte Schneide- bzw. Schabtrepanation „intra vitam“ (V.47/Nr. 1 ) gewährleistete offenbar eine höhere Überlebensrate als die Bohrtrepanation mit einem Kernbohrer (V.47/Nr. 2). Bei der Perforierung des Schädeldaches eines Verstorbenen („post mortem“), die als kultisch-rituelle Handlung zu verstehen ist, war man augenscheinlich nur bestrebt, die ausgehobenen Knochenscheiben (Rondelle) als Amulette zu gewinnen (V.47/Nr. 3 und 4).

Daneben war man aber auch in der Lage FRAKTUREN erfolgreich zu schienen (V.47/Nr. 10).

Die BIRITUELLE BESTATTUNGSWEISE war auf dem Dürrnberg schon bei der „Gründergeneration“ üblich; Körper- und Brandgräber (V. 45) liegen unmittelbar nebeneinander. Man kann aber nicht sicher aussagen, ob es zu dieser Zeit entsprechende unterschiedliche Glaubensvorstellungen gab – vielleicht schlug man nur getrennte Wege ins Jenseits ein.