1. OG RAUM 12
HANDWERKSTECHNIKEN
Die Herstellung und Dekoration der Tongefäße war Alltagskunst. Der TÖPFER drehte Schalen, Schüsseln, Flaschen und große Vorratsgefäße auf der Scheibe (die älteren Gefäße der Hallstattperiode sind z. T. handgemacht) und verzierte den noch feuchten Ton auf einfache Weise im Stil der Zeit (V 24) . Für den ostkeltischen Bereich sind Stempelmuster (V 41/ Nr. 7) aus Kreisaugen, Bögen und Blattmotiven besonders typisch, seltener waren gemalte Fächermotive, Spiralbögen, Swastiken oder nach hintern blickende Vögel oder Pferde (V 40 / Nr. 7). Bemalte Röhren- und Schnabelkannen aus Ton waren zudem ein erschwinglicher Ersatz für die importierten teuren Metallkannen aus dem Süden.
Eine EISENVERARBEITUNG lässt sich entweder durch das Verhüttungsprodukt, der so genannten Luppe, auch Eisenschwamm genannt, oder durch den Schmiedeabfall nachweisen, der in Form von zahlreichen z. T. handtellergroßen „Schlackennestern“ nach dem Ausheizen der Roheisenluppe einstanden ist. Zu spezifischen Werkzeugen einer Metallbearbeitung zählen besonders Setzhammer, Zangen und Herdschaufeln aber auch Flach- und Kreuzmeißel, Stichel und Feilen (V. 29).
Als kuriose Fertigprodukte sind z. B. Hakenschlüssel mit einzinkigem „Bartende“ erwähnenswert (V. 29 / Nr. 10).
BRONZE ist eine Legierung, die aus einer Mischung von ca. 90 % Kupfer und 10 % Zinn besteht. Als Gussrückstand beim so genannten Wachsausschmelzverfahren (Guss „in verlorener Form“) verbleiben Gusszapfen – oder kegel mit z. T. runzeliger Oberflächenstruktur (V. 26 / N4. 4) Flüssige Bronze schmolz man aus kleinen Gusstiegeln oder Herdgussformen aus Graphitton(V.26 / Nr. 5 und 6)) zu Schmuckstücken etc. Becken, Kannen und Pfannen sind zum Großteil ohne Formen aus Bronzeblech getrieben (V. 26 / Nr. 7).
Die Zulieferung von Knieholzschäftungen, Förderschaufeln und vor allem Leuchtspänen für den Salzbergbau erfolgte wahrscheinlich im großen Stil als Massenproduktion HOLZVERARBEITENDER BETRIEBE. Daubengefäße und eine Reihe von eigenwillig geformten Dosen (Holzpyxiden, V. 27 / Nr. 3) wurden hingegen von einem DRECHSLER gefertigt. Nadeln, Ahlen und Pfrieme (einschließlich des Betriebsabfalls in Form von Stangenbruchstücken aus Hirschhorn mit Schnittspuren) zählen vielleicht ebenso zu einer spezialisierten KNOCHENSCHNITZEREI (V.27 / Nr. 2), die Herstellung von Stoffgeweben (Webstuhlgewichte und Spinnwirtel aus Ton, V. 27 / Nr. 1) wurde wahrscheinlich in Heimarbeit besorgt.
Während der Bernstein, „die Tränen der Heliaden“, vermutlich von der Ostsee als Rohmaterial im Tauschweg gegen Salz bezogen wurde, importierte man
die zahlreichen bunten GLASARMRINGE die mehrheitlich aus jüngerlaténezeitlichen Siedlungen stammen (V. 28 / Nr. 4) als Fertigprodukte aus Süddeutschland.
Als Tauschgüter einer bescheidenen Wirtschaft … „gaben sie Harz, Pech, Kienholz, Wachs, Käse und Honig, denn davon hatten sie im Überfluss“ (Strabon, 63 v. bis 14 n. Chr., Erdbeschreibung). Dem können noch Vieh, Leder, Pökelfleisch, selten Metalle wie Gold und besonders Sklaven hinzugerechnet werden, die als Gefangene aus den zahllosen Kleinkriegen der Kelten untereinander stammten.
Zwischenveredeltes LEDER UND PÖKELFLEISCH (bei den tierischen Abfallprodukten fehlen erstaunlicherweise oft die entsprechenden fleischreichen Knochenstücke) wurde möglicherweise dirket gegen einen Luxusgütertausch (Trinkgeschirr aus Bronze) in den Süden verhandelt.
Ab der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. lässt sich auf dem Dürrnberg über den Güteraustausch hinaus erstmals ein bescheidener GELDVERKEHR beobachten (V. 28/Nr. 13–21)
Neben einem SCHREIBTAFELBRUCHSTÜCK mit einem Schriftzug in einem griechischen Alphabet (V. 28/Nr. 22) dessen Fundstelle gewiss nicht zufällig im Bereich von Gewerbebauten lag, sind es nach dem Ausbleiben der Grabfunde (infolge geänderter z. T. unbekannter Bestattungssitten) nun ausschließlich
die Sieldungsfunde, mit denen eine Kontinuität des Wirtschaftsstandortes Dürrnberg bis in die ersten Jahrzehnte