1. OG RAUM 14
DIE HALLSTATTZEIT
Zwischen Seine und Moldau und zwischen Mittelgebirge und Alpenrand entstehen um 700 v. Chr. einheitliche Gegenstände und kulturelle Eigenheiten, die unter dem Sammelbegriff Hallstattkultur zusammengefasst werden, so benannt nach dem wichtigsten Fundort jener Zeit: Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut. Im 6. Jahrhundert v. Chr. entdeckten Griechen und Etrusker zunehmend diese Regionen als neuen Handelsraum, dessen Eliten die mediterranen kulturellen Errungenschaften begierig aufnahmen.
DIE ETRUSKISCHE SCHNABELKANNE
aus Grab 59 zählt vermutlich zu den ältesten Importgütern des Dürrnbergs (V.33 / Nr. 7). Der so genannte KULTSTAB aus dem gleichen Grab (V. 33/Nr. 6) stammt ebenso aus dem Süden und lässt erahnen, dass mit den mediterranen Luxusgütern auch spezifische kulturelle Vorstellungen in Mitteleuropa eingeflossen sind.
Der BERNSTEIN, die „Tränen der Heliaden“ wurde hingegen als Rohmaterial von der Ostsee eingeführt, vermutlich im Tauschweg gegen Salz über böhmische Handelszentren, die eine zentrale Mittlerrolle eingenommen haben dürften. Erst auf dem Dürrnberg wurde er zu großen Ringperlen (V. 34/Nr. 5) oder Perlenketten aufgearbeitet. Ein besonders qualitätsvolles Collier aus Grab 67 besteht aus 390 doppelkonisch-walzenförmigen Perlen, die mit Hilfe von kreisaugenpunzierten Knochenschiebern in mehrere Perlenstränge (bis zu neuen Reihen) aufgeteilt werden (V.34/Nr. 4).
Der große BRONZEKESSEL aus Grab 68 (V.35/Nr. 11) kann hingegen als keltisches Fertigprodukt aus einer benachbarten Region bezeichnet werden. Das Hauptverbreitungsgebiet dieser sehr einheitlich gearbeiteten Kessel, die für die westliche Hallstattkultur geradezu charakteristisch sind, liegt in Südwestdeutschland und der Schweiz. Das Dürrnberger Exemplar ist hier mit seinen omegaförmigen Tragehenkeln aus Eisen der älteste und zugleich östlichste Vertreter.
Gleichfalls nach Westen, wahrscheinlich nach Vorbildern aus der Stuttgarter Gegend, orientierte sich auch die reiche Frau aus Grab 73 mit ihrem Schmuck. Ihr Haar trug sie in einen langen Zopf geflochten, in den 10 RINGE AUS DÜNNEM GOLDBLECH eingesteckt waren (V. 37/Nr. 29). Die großen DOPPELSPIRALNADELN, die stets in der Dreizahl, und zwar jeweils eine unter der anderen in Brustmitte getragen wurden, hat hingegen nur eine begrenzte lokale Verbreitung im Inn-Salzachraum (V. 37/Nr. 32).
Neben den wohlsituierten Frauen orientierte sich die spätthallstattzeitliche männliche Elite im Bezug auf Sonderzubehör für eine verhältnismäßig kurze Zeitspanne ebenso nach westlichen Vorbildern. Das Hauptverbreitungsgebiet der beliebten, z. T. mit Koralle eingelegten ANTENNENDOLCHE (V. 39/Nr. 6) liegt ebenfalls in Baden-Württemberg. Die traditionelle Nahkampfwaffe, das zumeist eiserne Lappen-oder Tüllenbeil südöstlicher Herkunft, zählte hingegen ebenso wie ein Satz aus drei Lanzen zur Standardbewaffung.
Die konischen Bronzeeimer, die so genannten SITULEN, waren besonders im südostalpinen Raum beliebt und wurden dort häufig mit Bilderfriesen von rituellen Festszenen verziert. Die glatten Eimer aus Grab 256 (V. 36/Nr. 7 und Grab 73 (V. 37/Nr. 39) sind wohl auf dem Dürrnberg selbst entstanden, ebenso die BRONZESCHALE MIT JAGDFRIES aus Grab 137 (V. 36/Nr. 1) obgleich das Bildmotiv ganz in der Tradition der südostalpinen Situlenkunst steht.
Die Formenvielfalt und Entwicklung der FIBELN, die besonders einem raschen Modewechsel unterlagen, wird mit einer Auswahl jener Typen veranschaulicht, die im Zeitraum von 580 bis 460 v. Chr. auf dem Dürrnberg beliebt waren (V. 37/Nr. 1 – 22).